Technische Universität Berlin

Lehre statt Leere

Seit sich die Universität im Präsenznotbetrieb befindet, versorgt Dr. Gabriele Penn-Karras vom Institut für Mathematik der TU Berlin ihre Studierenden des Ferienkurses „Early Bird II - Analysis II für Ingenieur*innen“ vom heimischen Wohnzimmer via Webcam mit Formeln und Gleichungen.

„Es hat sich schnell herausgestellt, dass das Format ‚Vorlesung‘ als Zeiteinheit von 90 Minuten nicht mehr praktikabel ist. Kürzere Clips sind für beide Seiten besser.“ Die Hausaufgaben des Kurses werden nun in der Lernplattform „ISIS“ von den Teilnehmenden hochgeladen und von Tutor*innen korrigiert. „Das persönliche Feedback der Studierenden lässt schon nach“, so Gabriele Penn-Karras: „Das dürfte auch daran liegen, dass die vor uns liegenden Klausuren erstmal ausgesetzt sind. Außerdem müssen wir uns alle an die veränderte Lehr- und Lernsituation gewöhnen.“ Trotzdem empfindet die Dozentin die derzeitige Umstellung als sehr spannend: „Es animiert mich dazu, Dinge auszuprobieren und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Es geht nicht mehr nur um inhaltliche und didaktische Überlegungen, sondern auch darum ‚Wo positioniere ich die Kamera?‘ oder ‚Wie lege ich mir Materialien zurecht?‘. Trotzdem hoffe ich, dass diese Form der Online-Lehre eine Notlösung ist und ich bald wieder vor meinen Studierenden im Hörsaal stehen kann“.

Q&A mit Dr. Gabriele Penn-Karras über Erfahrungen mit der Online-Lehre

Nach ersten Erfahrungen mit der Online-Lehre im Homeoffice antwortete die Mathematikerin am Mittwoch, 1. April 2020 in einem Q&A auf dem zentralen Instagram-Kanal der TU Berlin auf Fragen, die von Studierenden eingereicht wurden.

Was funktioniert eigentlich besser in der Online-Lehre im Vergleich zur Präsenzlehre?

Der große Pluspunkt bei der Online-Lehre ist selbstverständlich die beliebige Wiederholbarkeit. Man kann sich eine Sequenz einer Vorlesung oder eines Tutoriums immer wieder ansehen, bis man alles verstanden hat, und auch zur Prüfungsvorbereitung kann man Videos sicher gut nutzen. Aber die Kehrseite der gleichen Medaille ist natürlich das hohe Maß an Disziplin und Eigeninitiative, das den Studierenden abverlangt wird. Denn wenn ich es immer anschauen kann, dann natürlich ebenso gut morgen wie heute.

Fühlt es sich anders an, vor leeren Sälen und einer Kamera zu sprechen?

Ja, absolut. Es fehlt die Rückkopplung. Normalerweise schaue ich in die Gesichter und versuche zu erraten, ob ich verstanden werde, oder ich frage nach. Bei den Hörsaalaufzeichnungen ohne Publikum musste ich mich nach meinem eigenen Gefühl richten, ob die Erklärungen ausreichen.

Wie schätzen Sie den kommenden Aufwand für Dozent*innen und Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ein?

Das kann ich nur sehr schwer einschätzen. Es werden auf der einen Seite viele Kapazitäten eingespart. Man braucht nur eine Vorlesungsaufzeichnung und nicht bis zu vier Vorlesungsstränge parallel, so dass die Dozierenden an dieser Stelle entlastet werden. Dafür kommen aber sehr viele neue Aufgaben auf uns alle zu, vor allem viele technische Probleme, die gemeistert werden müssen. Neue Tools müssen entwickelt oder zugänglich gemacht werden, und jeder muss lernen, mit neuer Technik umzugehen und neue Wege einzuschlagen.

Welche Plattform werden wir benutzen? Welche Rolle wird dabei ISIS spielen, etwa beim Stellen von Hausaufgaben o.ä.?

ISIS wird mit Sicherheit wie gewohnt unsere Hauptplattform zum Kommunikationsaustausch sein. Es wurden in den Semesterferien auch schon einige neue Tools entwickelt, wie Chatrooms für Sprechstunden und eine Verwaltung für die Online-Abgabe von Hausaufgaben. Und ich vermute, es wird noch einiges an Möglichkeiten hinzukommen.

Wie kann ich mir die Einteilung der Vorlesungen über das Semester vorstellen?

Darauf wird es keine allgemeingültige Antwort geben. Ich selbst stelle mir zurzeit vor, thematisch sortierte Videosequenzen von 30-45 Minuten zur Verfügung zu stellen, von denen eben zwei bis drei eine Vorlesung ersetzen sollen. Ob das aber praktikabel ist oder alles letztendlich ganz anders organisiert wird, kann ich noch nicht absehen.

Wie werden die Tutorien im kommenden Semester online umgesetzt? Wird es Live-Übertragungen – auch von den Vorlesungen –  geben?

Live-Übertragungen erscheinen mir nicht sehr sinnvoll. Ich denke, es wird eher Videoaufzeichnungen geben, Tutorien kann man vielleicht auch in Chatrooms verlegen. Da wird man viel experimentieren müssen.

Werden die Klausuren als Online-Prüfungen stattfinden?

Über Leistungskontrollen generell wird noch diskutiert. Noch ist nichts entschieden, soweit ich weiß. Aber wir werden Möglichkeiten finden müssen, sowohl Klausuren als auch mündliche Prüfungen online abzulegen.

Wie halten Sie jetzt Kontakt zu den Studierenden? Werden Sie etwa über Webcam mit Studierenden kommunizieren?

Zurzeit habe ich Kontakt mit Studierenden nur per E-Mail, ich war zunächst mal mit der Umorganisation der Lehre ausgelastet. Für die Veranstaltungen des nächsten Semesters sollte es aber unbedingt die Möglichkeit einer persönlichen Sprechstunde per Videochat oder so geben. 

Wird es auch den berühmten Penn-Karras-Humor online geben?

Das hoffe ich doch sehr – und ich hoffe auch, dass wir alle unseren Humor nicht verlieren, dann wird das nächste Semester mit allen seinen Herausforderungen schon klappen!