Technische Universität Berlin

Vermitteln und gestalten

Lars Oeverdieck wechselt vom Präsidialamt ins Kanzlerbüro der TU Berlin / Im Interview spricht er über seine Ziele

Herr Oeverdieck, ab 19. August 2020 bis zum Zeitpunkt der Nachbesetzung der Stelle der Kanzlerin bzw. des Kanzlers sind Sie mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kanzlers beauftragt. Sie kommen aus der Fakultätsverwaltung, waren seit 2014 bis jetzt Präsidialamtsleiter, haben Erfahrung in politischer Arbeit und kennen die TU Berlin und die Hochschullandschaft aus dem Effeff.

Wie beschreiben Sie die Situation der TU Berlin? Was sind die großen Herausforderungen?

Der Fachkräftemangel sowie die Digitalisierung und SAP – das sind schon große Brocken, die wir bewältigen müssen. Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie für fast alle Bereiche unserer Gesellschaft eine Zäsur darstellt, auch für uns als Bildungseinrichtung. Mir ist klar, dass wir eine arbeitsintensive Zeit vor uns haben. Wir müssen die Nerven behalten, uns mit Respekt und offenen Ohren begegnen. Wir stehen vor der Herausforderung, diese Krise zu managen. Außerdem erkennen wir - wie in einem Brennglas - Probleme unserer Organisation. Diese hatten wir sicherlich in den Jahren davor schon im Rucksack, haben sie aber nie ausgepackt. Jetzt liegen sie auf dem Tisch, und wir müssen sie lösen. In Krisenzeiten sind wir außerdem alle darauf angewiesen, enger zusammenzuarbeiten. Auch hier müssen wir uns weiterentwickeln und öffnen. Das sind große Herausforderungen.

Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben? Wo sehen Sie Ihre Handlungsfelder?

Im Corona-Krisenstab, den ich leite, gehen uns die vielfältigen kleinen und großen Aufgaben nicht aus. Wir haben ein unwahrscheinlich breites Aktionsfeld: von der Beschaffung zusätzlicher Räume für schriftliche Prüfungen über die Beurteilung von Hygienekonzepten bis zur Anschaffung von Desinfektionsspendern oder der Beauftragung zusätzlicher Reinigungsleistungen. Wir dürfen nicht nachlassen. Das fordert mich, macht mir aber auch Spaß und motiviert mich daher sehr.

Der Druck, unsere Arbeitsprozesse zu modernisieren, ist sehr groß. Die Corona-Krise und die Abhängigkeit von einer digitalen Welt hat das verstärkt. Hier sehen wir ein großes Aktionsfeld. Auch das will ich angehen.

Vor allem möchte ich einen ehrlichen und schnellen Austausch zwischen Zentraler Universitätsverwaltung und Fakultäten organisieren. Hier will ich eine starke Vermittler- und Gestalterrolle einnehmen.

Sie kennen beide Seiten: die Fakultäten und die Zentrale Universitätsverwaltung. Was muss im Zusammenwirken verbessert werden? Wo liegen die Probleme und auch die Lösungsansätze? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Wir müssen mehr miteinander reden und nicht so häufig übereinander. Das ist in Krisenzeiten, in denen wir auch schnell handeln müssen, umso wichtiger. Wir müssen die Probleme beim Namen nennen und gangbare Lösungen finden. In diesem Prozess will ich derjenige sein, der initiiert, einlädt, moderiert, aber auch Probleme löst.

Meine Tür steht der Zentralen Universitätsverwaltung wie auch den Fakultäten immer offen. Ich kenne das Uni-Geschäft ziemlich genau. Ich war in ganz unterschiedlichen Funktionen unterwegs. Genau diese Erfahrung will ich jetzt einbringen. Ich bin fest entschlossen, freue mich über die Chance und bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam gut angehen werden.

Stellen wir uns vor, wir sind im April 2021 und schauen auf die Pandemiezeit zurück: Was sollte die TU Berlin aus der Pandemiezeit gelernt haben und was sollte sie erreicht bzw. umgesetzt haben?

Wir haben einen besseren Austausch zwischen Zentraler Universitätsverwaltung und Fakultäten gefunden, wir konnten Prozesse ändern, wir haben aber auch Projekte, die nicht unbedingt notwendig waren, verschoben und so Freiraum gewonnen. Und, natürlich konnten wir weitere SAP-Tools freischalten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in puncto flexibles Arbeiten vorangekommen wären. Das ist wichtig für unsere Arbeitswelt. Das gibt uns mehr Freiheiten und als Arbeitsgeberin macht es uns attraktiver.

Ich hoffe sehr, dass der Lernerfolg bei unseren Student*innen sich nicht merklich verschlechtert hat und dass wir als Uni viele Möglichkeiten geschaffen haben, um bei Studium und Lehre zu helfen und Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen. Ich möchte sehr gern dazu beitragen. Das ist wichtig.

Wir arbeiten daran, dass wir keinen zweiten Präsenznotbetrieb wie in März und April 2020 bekommen und dass wir alle gut und gesund durch die Herbst- und Wintermonate kommen. Ich hoffe sehr, dass es Anfang 2021 einen Impfstoff geben wird, der schnell uns allen zur Verfügung gestellt wird.

Was ist Ihre persönliche Prämisse, ihr Leitspruch, was motiviert Sie persönlich?

Anpacken, ermöglichen und einen Ausgleich mit ruhiger Hand schaffen. Das ist mir wichtig, genauso wie offene Worte und auch die Freude an einer positiven Entwicklung unserer Universität.

Das Interview führte Stefanie Terp.